Ich bin XT41

Dies ist ein fiktiver Brief einer Hündin, die im Tierversuchslabor LPT, Mienenbüttel bei Hamburg, gefangen gehalten wurde. Alle bis Anfang 2020 veröffentlichten Briefe findet Ihr hier. Die Geschichte von XT41, und vielleicht auch XT42 geht weiter.

Das Buch:“Ich bin XT41″ wird am 19. Oktober 2020 herauskommen. Genau ein Jahr nach der ersten Großdemonstration, die den Stein, oder einen der vielen Steine ins Rollen gebracht hat, mit dem dann zumindest zwei der drei Standorte des Tierqual-Skandal-Labors LPT geschlossen werden konnten.

Achtung: XT41-Vorpremiere / Anstelle einer Lesung

Eigentlich hätte ich mich gefreut, anlässlich dieses Jahrestages und der Bucherscheinung am 19. Oktober 2020 irgendwo in der Nähe von Neugraben oder Mienenbüttel aus „Ich bin XT41“ eine Lesung von und für Tierschützer halten zu können. Corona scheint das zu verhindern. Daher habe ich mir überlegt, dass alle Mahnwächter, Unterstützer und Kämpfer für die Tiere, die von der LPT gequält wurden und immer noch in Wankendorf gequält werden, alle Menschen, die gegen Tierausbeutung aktiv sind, die Möglichkeit bekommen sollen, das Buch bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin in Händen halten dürfen, wenn sie das wollen.

Wer also auf die „Vorableser“-Liste gesetzt werden möchte, darf sich gerne per Mail oder Facebook-Messenger vormerken lassen.

Euer Eckhard

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So heiße ich, glaube ich. Denn so nennen mich die immer, die mich abholen. Ich bin hier schon ziemlich lange. Also, soweit ich das sagen kann, schon immer. Nur als Welpe, da war ich woanders. Und dann haben sie mich genommen, in eine Kiste gesteckt, und ich habe Mama nie mehr gesehen.
Seitdem ist mein Leben immer dasselbe gewesen. Wir sind hier in Käfigen. Wir können uns ein bisschen drehen. Und die Pfoten vor und zurückbewegen. Aber so springen oder rennen, wie ich ganz kurz als Welpe einmal durfte, das geht nicht mehr.
XT42 liegt neben mir. Der geht es nicht gut. Sie war heute mit denen in dem Schmerzen-Mach-Raum und als sie wieder kam, konnte sie kaum das Mäulchen auf und zu machen. Die haben ihr irgendwas in den Hals geschoben, und als sie das nicht wollte, haben sie das ganz brutal gemacht.
Ich kenne es nicht anders. Die kommen, die nehmen uns in den Schmerzen-Mach-Raum, dann tut es weh. Ganz verschieden, was sie da machen, und dann bringen sie uns wieder zurück. Sie bellen übrigens auch nicht. Und wenn, dann nicht mit uns, sonder über uns. Nur deshalb wissen XT42 und ich, wie wir heißen. Denn sie reden immer über uns, wenn sie uns wehtun, und schreiben das genau auf.
Einer war anders. Der hat uns liebevoll angeschaut, wenn die anderen nicht zugesehen haben. Der hat uns manchmal heimlich gestreichelt. Da habe ich gemerkt, dass ich es ziemlich gern habe, wenn jemand mein Ohr massiert. Der war oft sehr traurig. Der hat das versteckt. Die anderen haben das nicht gemerkt. Aber wir Tiere haben gewusst, das ist der, der uns nicht wehtun möchte. Aber es hat trotzdem immer wehgetan, in diesem Schmerz-Mach-Raum.
Abends ist es immer hier sehr ruhig. Wenn es draußen dunkel wird. Dann passiert nichts mehr. Sie sind dann weg. Andere sind dann da. Und wenn XT42 und ich in unseren Außenzwingern sind, dann können wir Dinge riechen, andere Tiere, spüren Wind, und sehen Bäume. Ich bin kein Rüde. Aber dennoch: Ich würde so gerne einmal an einen Baum gehen. Irgend etwas in mir sagt, dass es schön sein muss, am Fuß von einem Baum mit den Pfoten den Boden zu schubsen. Ob ich das jemals erleben werde?
XT42 hat einmal gesagt, sie glaubt, dass die Hunde mit den kleinen XT Nummern dort draußen sind, und Boden schubsen dürfen. Und dass wir nicht immer hier in dem Haus mit dem Schmerz-Mach-Raum sein werden, sondern irgendwann draußen, da, hinter diesen Bäumen, da wo man rennen kann, ohne anzustoßen, und wo sie nicht hinkommen, um uns in den Schmerz-Mach-Raum zu holen.
Aber dann hat einer der Hunde gegenüber gesagt, dass er genau weiß, dass keiner von uns jemals Boden schubsen wird, oder an einen Baum gehen…
Jetzt ist einer von denen vorbeigekommen. Draußen. Die sehen anders aus. Und die fassen uns nicht an. Die haben alle dasselbe an und schauen meistens Richtung Zaun, und dahinter. Der eben hat tatsächlich ganz kurz nach mir geschaut, und dann hat er gemurmelt „Man muss Beruf und Privat trennen. Ich mach hier nur meinen Job“.
Was ist das? „Nur meinen Job machen?“ Machen XT42 und ich auch hier unseren Job? Und was ist das „Privat“? Ich hätte so gerne auch ein „Privat“ um es von dem hier trennen zu können…

foto: wunderstock/mustang joe

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